Impulse aus der Praxis
Das Format “IfR Implus” bietet den Teilnehmenden Einblicke aus der Berufspraxis und der Forschung zu einem spezifischen Themenschwerpunkt. Die Impulse dienen insbesondere zur Erweiterung des Fachwissens für Berufstätige. Zusätzlich können sich Expert*innen und Teilnehmende über das Event hinaus vernetzen. Die Teilnahme ist für IfR-Mitglieder kostenlos.Wenn Sie Anregungen haben oder wissen möchten unter welchem Thema der nächste Termin stattfindet, schreiben SIe uns gerne eine Mail an: info@ifr-ev.de
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Rückblick: IfR Impuls zur Gesundheitsfolgenabschätzung in der Stadtentwicklung
Am 23. April 2026 fand von 17:30 Uhr bis 19:00 Uhr die Online-Veranstaltung „IfR Impuls: Gesundheitsfolgenabschätzung in der Stadtentwicklung“ statt. Die von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen anerkannte Fortbildung gab theoretische und praktische Einblicke über das Instrument der Gesundheitsfolgenabschätzung und die gewonnenen Erkenntnisse der letzten vier Jahre der Forschungsprojekte „GFA_Stadt“ und „GFA_Stadt_Plus“. Der Impuls war eine gemeinsame Veranstaltung mit den Verbundpartnern der Forschungsprojekte, dem Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP) der FH Erfurt und dem Competence Center Gesundheit der HAW Hamburg. Nach der Eröffnung durch den ersten Vorsitzenden Clemens Wollscheid widmete sich die Veranstaltung dem Themenschwerpunkt des Abends.
Einer kurzen Begrüßung und Vorstellung des interdisziplinären Forschungsteam durch Frau Prof.in Dr.-Ing. Heidi Sinning folgte eine Darstellung der aktuellen Problemlage in Deutschland hinsichtlich der Berücksichtigung von Gesundheitsförderung und Prävention in Stadtentwicklungsprozessen. So werden davon Teilaspekte bereits berücksichtigt, aber es fehlt eine frühzeitige, rechtlich bindende sowie systematische Integration in Planungsverfahren. Daher bedarf es neuer Verfahren und Instrumente, etwa die Gesundheitsfolgenabschätzung (GFA, vom engl. Health Impact Assessment), welche diese Lücke schließen und darüber hinaus die Akteure des Öffentlichen Gesundheitsdienstes möglichst frühzeitig in Stadtentwicklungsprozesse einbeziehen. Als Instrument unterstützt die GFA beteiligte Akteure in Stadtentwicklungsverfahren, Gesundheitsaspekte im Sinne von „Health in All Policies“ stärker zu berücksichtigen, zur Gestaltung von Lebensumwelten im Sinne der Gesundheitsförderung beizutragen sowie gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen. Die GFA ist dabei in Phasen unterteilt (Screening, Scoping, Appraisal and Analysis, Reportings and Recommendations, Monitoring and Evaluation), welche sich jeweils mit verschiedenen Aspekten und Fragestellungen beschäftigen. Frau Prof.in Dr. Sinning zeigt anschließend auf, welche typischen Themenbereiche der Stadtentwicklung Einfluss auf die Gesundheit haben und weshalb es relevant ist, diese vermehrt in Planungsprozessen zu berücksichtigen.
Im Anschluss daran stellen Herr Christian Bojahr und Herr Arne Sibilis die beiden Bestandteile des GFA-Demonstrators vor: das Phasenmodell, welches die Phasen der GFA mit den Arbeitsschritten kommunaler Planungsverfahren verknüpft sowie ein Online-Tool, welches diesen Prozess effizient unterstützt. Herr Christian Bojahr erläutert anhand des mehrstufigen Phasenmodells, wie das Instrument systematisch in informelle Planungsprozesse integriert wird. Den Ausgangspunkt bildet dabei das Screening, um die Relevanz eines Vorhabens für die öffentliche Gesundheit zu prüfen, gefolgt vom Scoping, das den Untersuchungsumfang für die anschließende Analyse festlegt. Diese strukturierte Herangehensweise soll sicherstellen, dass gesundheitsrelevante Auswirkungen nicht erst im Nachhinein, sondern bereits während der Abwägungsphase berücksichtigt werden. Besonderes Augenmerk lag auf den praktischen Erfahrungen aus den Modellstädten Potsdam und Bochum. Hierbei wurde deutlich, dass die GFA insbesondere dort einen Mehrwert bietet, wo sie als Chance zur ressortübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Stadtentwicklung und Gesundheitswesen begriffen wird.
Ein Highlight der Veranstaltung war die Vorstellung des Online-Tools durch Arne Sibilis. Das Werkzeug wurde entwickelt, um die Hemmschwelle für Kommunen bei der Anwendung der GFA zu senken. Herr Sibilis demonstrierte dabei durch Beispiele, wie das Tool die Nutzer*innen durch die einzelnen Prüfschritte leitet. Das Programm ermöglicht eine strukturierte Bewertung verschiedener Indikatoren, z.B. von der Wohnumfeldqualität über die soziale Infrastruktur bis hin zur thermischen Belastung. Besonders wertvoll für die Planungspraxis ist die integrierte Berichtsfunktion. Das Tool generiert dabei auf Basis der Eingaben automatisierte Auswertungen, die direkt als Argumentationshilfe in Planungsunterlagen oder politische Beschlussvorlagen einfließen können.
Im Fazit betonten die Referent*innen, dass das GFA-Modell eine systematische und transparente Integration von Gesundheitsaspekten in die Stadtentwicklung ermöglicht, ohne dabei einen unzumutbaren Zusatzaufwand für die Kommunen darzustellen. Ziel ist die Etablierung einer „GFA-Kultur“, die durch evidenzbasierte Argumente und digitale Unterstützung die Gesundheitsförderung als festen Qualitätsstandard in der Planung verankert.
Die Online-Veranstaltung endete mit einer lebhaften Diskussion, in der die Teilnehmer*innen ihre Fragen zur praktischen Handhabung und Verstetigung des Instruments einbrachten. Die Beiträge zeigten, dass die GFA nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllt, sondern als Lernmöglichkeit dient, um ressortübergreifende Kooperationen zu stärken und die Lebensqualität vulnerabler Gruppen gezielt zu verbessern. Die Veranstaltung wurde sehr positiv aufgenommen, und es besteht ein Wunsch nach Fortsetzung des Formats, um den Austausch zwischen Wissenschaft, kommunaler Praxis und Fachplanung zur gesunden Stadt weiter zu vertiefen.
Interessierte, die in den Informationsverteiler aufgenommen werden möchten, können sich gerne an christian.bojahr@fh-erfurt.de wenden oder auf https://gfa-stadt-plus.de/home weitere Informationen finden. Die Folien der Veranstaltung finden die Mitglieder im internen Bereich!
Ein Beitrag von Christian Bojahr und Sarah Wisniewski.
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