Die Fachzeitschrift im Gespräch

Das IfR-Format “RaumPlanung im Fokus” wurde 2023 ins Leben gerufen. Im Fokus der Veranstaltung steht jeweils eine spezifische Ausgabe der Fachzeitschrift RaumPlanung. In kurzen Vorträgen berichten die Autor*innen von Ihren Forschungsergebnissen und Praxisbeispielen. Dadurch erhalten Teilnehmende einen tiefgreifenden Einblick und Wissensstand zu den Beiträgen der Fachzeitschrift. In der Diskussions- und Austauschrunde haben Sie zudem die Möglichkeit, mit den Autor*innen direkt in Kontakt zu kommen.

Ziel der Online-Fachveranstaltung ist der gemeinsame Austausch und die Vernetzung von Fachinteressierten mit den Autor*innen der Ausgaben. Kritische Fragen, Denkanstöße und persönliches Wissen verleihen dem Austasch einen fortbildenden Charakter.

Wenn Sie Anregungen haben oder wissen möchten unter welchem Thema der nächste Termin stattfindet, schreiben SIe uns gerne eine Mail an: info@ifr-ev.de
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Rückblick: RP im Fokus zur Ausgabe „Risikogesellschaft“ am 30.01.2026

 

Am 30. Januar 2026 fand von 10:30 Uhr bis 12:00 Uhr die Online-Veranstaltung „RP im Fokus: Risikogesellschaft“ statt. Die von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen anerkannte Fortbildung gab theoretische und praktische Einblicke in verschiedene Schwerpunkte der Risikogesellschaft. Vier Autor*innen der Ausgabe 233/5-2025 stellten ihre Arbeit und Ergebnisse sowie Potenziale in der Risikogesellschaft vor. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Peter Ache, Professor an der Fakultät für Managementwissenschaften der Radboud Universität in Nijmegen und Teil der Redaktion dieser Ausgabe.

Lawrence Schätzle, wissenschaftlicher Mitarbeiter für urbane Sicherheit und urbane Resilienz am Deutschen Institut für Urbanistik (difu), eröffnete mit dem Vortrag über den Beitrag „Krisen als Innovationsmotor?“. Der Beitrag behandelte die Frage, ob die COVID-19-Pandemie als Innovationsmotor für Kommunen gewirkt hat. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das oft genannte Bild der „Krise als Chance“ für nachhaltige Stadtentwicklung nur begrenzt bestätigt. Zwar wurden einzelne kurzfristige Maßnahmen umgesetzt, insgesamt wirkte die Pandemie jedoch eher als Katalysator bestehender Entwicklungen, statt neue Transformationsprozesse anzustoßen. Deutlich wurden jedoch Anpassungen im kommunalen Krisenmanagement. Die Pandemie zeigte, dass bestehende Strukturen vor allem auf kurzfristige Krisen ausgelegt sind und bei langanhaltenden Lagen schnell an Grenzen stoßen, etwa durch hohe Arbeitsbelastung oder fehlende Ressourcen. Gleichzeitig entwickelten Verwaltungen neue Arbeitsweisen und Lösungen, um ihre Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Diese Erfahrungen könnten langfristig dazu beitragen, Kommunen widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Krisen zu machen.

Julija Bakunowitsch, Doktorandin am Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund und Jost Buscher, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund, sprachen im zweiten Vortrag über ihren Beitrag „Planung für Ernährung in unsicheren Zeiten“. Der Beitrag thematisierte die Bedeutung von Ernährungssystemen in Zeiten multipler Krisen. Globale und lokale Entwicklungen wie Klimawandel, Flächenkonkurrenzen oder steigende Preise gefährden zunehmend die Versorgung von Städten mit Lebensmitteln. Ernährung wird bislang meist als individuelle oder marktwirtschaftliche Aufgabe betrachtet, während kommunale Aktivitäten häufig nur in akuten Krisensituationen stattfinden. Daher wird zunehmend gefordert, Ernährung als kritische Infrastruktur und Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge stärker in der Stadtplanung zu berücksichtigen. Ein möglicher Ansatz ist urbane Landwirtschaft, die zur regionalen Versorgung, Bildungsarbeit und Resilienz von Ernährungssystemen beitragen kann. Am Beispiel Dortmunds wurden verschiedene Initiativen vorgestellt, etwa Bildungsprojekte wie der „Weltacker“, innovative Landwirtschaftsformen oder zivilgesellschaftliche Netzwerke. Gleichzeitig bestehen zahlreiche Herausforderungen, insbesondere Flächenkonkurrenzen, fehlende planerische Kategorien und komplexe Genehmigungsverfahren.

Lara Renée Vogel, Studentin der Raumplanung an der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund und Junior-Stadtplanerin AKNW bei plan-lokal, machte den Abschlussvortrag über den Beitrag „Rassismuskritisch beteiligen“. Der dritte Beitrag beschäftigte sich mit einer rassismuskritischen Beteiligungspraxis in der Stadtplanung. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Beteiligungsverfahren nicht frei von rassistischen Äußerungen sind, da solche Haltungen in der Gesellschaft strukturell verankert sein können. In einem untersuchten Beteiligungsverfahren zur Umgestaltung eines Stadtteilzentrums zeigte sich, dass bestimmte Formate rassistische Äußerungen begünstigen können. Solche Äußerungen können erhebliche Folgen haben, etwa Ausgrenzung, Vertrauensverlust oder einen „Silencing-Effekt“, bei dem sich betroffene Gruppen aus Beteiligungsprozessen zurückziehen. Der Beitrag diskutiert daher verschiedene Strategien für Moderation und Planungspraxis, um mit solchen Situationen umzugehen und einen respektvollen, gleichberechtigten Diskurs zu ermöglichen.

Die Online-Veranstaltung endete mit einer lebhaften Diskussion, in der die Teilnehmer*innen ihre Fragen und Perspektiven einbrachten. Besonders deutlich wurde, wie vielfältig die Herausforderungen in urbanen Räumen in Krisenzeiten betrachtet werden müssen. Die Beiträge zeigten, dass Krisen nicht nur Risiken, sondern auch Lernmöglichkeiten bieten und neue Ansätze für die Stadtentwicklung anstoßen können. Die Veranstaltung wurde sehr positiv aufgenommen, und es besteht ein klarer Wunsch nach Fortsetzung, um den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Planung weiter zu vertiefen.
Unter dem folgenden Link finden Sie außerdem noch weitere Veröffentlichungen zum Krisenmanagement der difu: https://www.panreflex.de/nano.cms/factsheets 

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